Netzneutralität: Wenn Kapital das Internet kontrolliert

Netzneutralität: Wenn Kapital das Internet kontrolliert

Die DSGVO in Europa und das Geldspielgesetz in der Schweiz haben zu heftigen Diskussionen darüber geführt, wie Politik des 19. Jahrhundert mit der Welt des 21. Jahrhundert vereinbar ist. Besonders das Geldspielgesetz hat bei uns gezeigt: Sie ist es nicht. Ein sehr wichtiges Thema in der digitalen Politik geht aber regelmässig ein wenig unter: die Netzneutralität. Das Thema ist wenig emotional und deswegen nicht ganz so medientauglich. Es beeinflusst uns aber stark in unserem digitalen Leben.

Klären wir zuerst, was Netzneutralität eigentlich ist:

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«Netzneutralität bezeichnet die nicht-diskriminierende Übertragung von Daten im Internet.»

Erklärungsvideo in Deutsch:

httpss://youtu.be/MKIvrEReeNk

Hinweis zum Video:
In der Schweiz wird das Thema noch diskutiert und vor allem Swisscom, Sunrise, Salt und UPC haben interesse daran, die Netzneutralität aufzuweichen oder abzuschaffen.

Auf Englisch (und humoristisch):

httpss://youtu.be/xjOxNiHUsZw

Das Video von College Humor kam leider zu spät. Amerika hat 2017 die Netzneutralität offiziell abgeschafft.

Was sind die grössten Gefahren?

Ohne die Netzneutralität ist es den Internet-Providern möglich, Datenströme zu drosseln oder zu beschleunigen. Als Beispiel: Netflix braucht einen starken Datentransport, damit sie ihren Nutzern ein einwandfreies Streaming-Erlebnis bieten können. Da sie es sich leisten können, bezahlen sie die Provider dafür, dass sie diese Leistung bekommen. Ein Start-up, dass ins Streaming-Business einsteigen will, kann sich das nicht leisten und bekommt die Geschwindigkeit nicht. Ohne Netzneutralität wird Innovation und Wettbewerb im Internet am Keim erstickt.

Ein anderes Szenario könnte sein, dass z. B. Swisscom Abos anbietet, die einem den schnellen Zugriff zu Netflix erlaubt. Wenn man Youtube ebenfalls brauchbar nutzen will, bezahlt man mehr und wenn man auch noch mit Highspeed surfen will kostet es nochmals. Das freie Internet würde durch das Kapital kontrolliert und freie Kommunikation wäre nicht mehr möglich. Dinge, wie der arabische Frühling wären nicht möglich, da sich keiner den Zugang zum Internet leisten könnte.

Weitere Beispiele von netzneutral.ch (erstes Beispiel ist nicht mehr aktuell aber zeigt die Problematik schön auf) :

Musik:

Nicht neutral: In der Schweiz haben Kunden eines OrangeYoung Abos Nachteile. Fürs Streamen von Musik müssen sie den Orange-Partner Spotify nutzen. Für ein Konkurrenzangebot wie Simfy oder Radio müssen die Kunden teuer bezahlen. Den Traffic des Partners Spotify verrechnet Orange hingegen nicht.

TV:

Nicht neutral: Sowohl Orange als auch Swisscom berechnen bei gewissen Abos den Datenverbrauch ihrer eigenen Mobile-TV Angebote Zatoo resp. Swisscom TV Air nicht mit – denjenigen der Konkurrenzangebote dagegen schon.

Werbung:

Nicht neutral: Der französische ADSL-Provider Free filterte nach Neujahr 2013 bei allen Websiten die Werbung heraus – ausser die Werbung, die auf der Webseite der Tageszeitung Le Monde geschaltet wurde. Welch ein Zufall: Der Mehrheitseigner von Free besitzt auch bei der Tageszeitung Le Monde Anteile…

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