Pro-Feminismus? Wie langweilig!

Pro-Feminismus? Wie langweilig!

Mein Kommentar zum AZ-Artikel:
Männliche Feministen wollen die Frauen unterstützen – das gefällt nicht allen

Dieser Artikel nervt mich auf so viele Arten, dass ich kaum weiss, wo anfangen. Dabei hat es nichts mit der Autorin oder dem Thema an sich zu tun sondern damit, dass wir im 21. Jahrhundert über einen, sorry, solchen Bullshit diskutieren müssen. Ich will mich nicht Tag ein, Tag aus mit solchen Belanglosigkeiten auseinandersetzen.

Geschlecht, Rasse, Religion und Sexualität dürfen in einer modernen Gesellschaft keine Bedeutung mehr haben und entsprechend auch zu keinen Nachteilen führen. In keinem Bereich und bei keinem Geschlecht. Entweder ich mag eine Person oder nicht. Entweder eine Person macht einen guten Job oder nicht. Das hat nichts mit Geschlecht oder Sexualität zu tun und es nervt mich, dass dieses einfache Konzept von unserer Gesellschaft nicht begriffen wird. Ich rede hier auch nicht von Biologie. Es gibt klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Das ist gut und richtig und soll auch gelebt werden (dürfen). Das hat aber nichts mit unserem sozialen und beruflichen Leben zu tun. Ich lasse hier bewusst die LGBT-Thematik aussen vor, da das Ganze sonst ein wenig zu komplex für einen Kommentar wird.

Die heutige Situation ist schon beinahe pervers. Auf der einen Seite haben wir die Feministinnen, die sich sogar angegriffen fühlen, wenn ein Mann sich für sie einsetzen will (auch wenn das aus feministischer Sicht nachvollziehbar scheint) und auf der anderen Seite haben wir die Gegenbewegung der patriarchalischen Männer, die sich sofort angegriffen fühlen, wenn sie gute Frauen in ihrer Nähe haben. In diesem Spannungsfeld bewegen sich Männer, die sich kaum noch trauen irgendetwas zu tun und zu sagen, weil es als sexistisch oder machohaft empfunden und kritisiert werden könnte und wir haben Frauen, die nicht mehr wissen, wie feminin sie sein können, ohne als Objekt oder konservativ abgetan zu werden. Dabei hat das biologische Geschlecht und die natürlich unterschiedlichen Verhaltensweisen nichts mit dem gesellschaftlichen Konstrukt der Geschlechter bzw. den anerzogenen und künstlichen Geschlechterrollen zu tun.

Ich bin kein Feminist, aber…

Ich persönlich bezeichne mich nicht als Feminist. Dieser Begriff ist mir zu einseitig und wird unserer bunten Gesellschaft nicht gerecht. Ich bin nicht für die Rechte der Frauen und auch nicht für die der Männer. Ich bin für die Rechte der Menschen. Geschlecht spielt da wie gesagt keine Rolle. Ich bin auch kein Pro-Feminist. Ich bin Humanist. Mich mit so engstirnigen Dingen wie Geschlechterrollen und Emanzipation herumzuschlagen, langweilt und ermüdet mich. Damit scheine ich aber gut 100 Jahre weiter zu sein, als unsere Gesellschaft. Jedenfalls sagte mir das eine gute Kollegin, mit der ich ab und zu solche Themen diskutiere. «Die Frauen sind in unserer Gesellschaft unsichtbar», sagte sie mir einmal, als ich mich darüber aufregte, dass ich mich mit so Banalitäten wie geschlechterneutralen Texten oder den weiblichen Formen darin befassen musste. «Wen interessiert es, ob ich nur «Liebe Leser» oder «Liebe Leserinnen und Leser» schreibe?» ereiferte ich mich in meiner typisch polternden Art. «Das Geschlecht ist doch irrelevant!» «Das siehst du so», sagte sie. «Soweit ist aber unsere Gesellschaft noch nicht, weswegen wir die Frauen in unserer Sprache sichtbar machen müssen. Wir müssen die weibliche Form in unsere Sprache transportieren. Geschrieben und gesprochen. Damit du dich in Zukunft wirklich nicht mehr um so Banalitäten kümmern musst.»

Das macht Sinn. Frauen tragen einen sehr grossen Anteil an unserer Gesellschaft mit, werden aber in Wort und Gesprochenem oft «ausgeklammert». Die Thematik langweilt mich immer noch, ich sehe aber ein, dass sie 2017 noch lange nicht gegessen ist. Es scheint nötig, dass wir so penetrant auf gewissen Details herumreiten. Solange, bis auch das einfachste Gemüt das simple Konzept von Gleichberechtigung begriffen hat.

Und obwohl noch viel zu tun ist und wir nicht locker lassen dürfen im Kampf für die Gleichberechtigung der Menschen, plädiere ich auf einen entspannteren Umgang mit dem Thema, damit Frau und Mann sowie alle anderen Formen in der Schweiz ruhig leben können. Denn gewisse Auswüchse nehmen auf beiden Seiten faschistische Züge an, was niemandem nützt. Gewisse Dinge sollte man einfach ein weiniger lockerer und mit Humor sehen. Um es mit den Worten eines meiner liebsten Rapper zu sagen: «Ui ich han Bitch gseit! Sorry und jetzt figg di.»

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